Themen:
•
Christliche Spitalseelsorger/innen verstehen sich als nicht missionarische Begleiter aller Religionen mit der Doppelrolle: von den Kirchen angestellt und beauftragt einerseits und andererseits
Mitarbeiter/innen des Spitals mit Spitalausweis und Zugang zu Spitaldaten.
• Jüdische und muslimische Geistliche haben als Besucher Zugang zu den Spitälern und dürfen Essensvorschriften, religiöse Riten und Gebete und Fragestellungen zu Transplantationen, Therapien und
Sterbebegleitung erklären, organisieren und umsetzen.
• Leiden wird in den verschiedenen Religionen breit und sehr verschieden gedeutet.
• Die Bedürfnisse der Religionen sind sehr verschieden.
• In den verschiedenen Religionen ist die Gewichtung: Besuche und Pflege durch Familienangehörige und Begleitung durch Delegierte und Geistliche der Gemeinden ganz unterschiedlich.
• Die körperliche Pflege wird sozial in den Religionen ganz verschieden angenommen und erwünscht.
• Der Stellenwert von persönlichem und kollektiven Gebet ist je nach Glaube ganz anders.
• Bedingungen für Sterbende und die Behandlung des toten Leichnams wird sehr verschieden gehandhabt.
Problembereiche:
• Oft sind Zimmer zu klein für grosse Besuchergruppen: Probleme für Pflege, Sozial- und Lärmstress für die Kranken und zwar für alle Kranken aller Traditionen
• Staatliche Gesetze entsprechen eher christlichen und weniger jüdischen und muslimischen Bräuchen und Bedürfnissen (z.B. Waschungen nach dem Tod sind im Spital nicht möglich)
• Die Spitalplanung ist überfordert, wenn Männer nur von Männern und Frauen nur von Frauen therapiert und gepflegt werden möchten
• Dass christliche Geistliche Zugang zu Spitaldaten haben und jüdische und muslimische Geistliche nicht, wird praktisch als unangenehme Behinderung der religiösen Fürsorge erlebt. Dass
christliche Seelsorger sensible Daten über jüdische und muslimische Patienten/innen einsehen dürfen, wird als Übergriff empfunden.
• Nicht christliche Anwesende haben missionarische Verletzungen und Übergriffe bis zu unerwünschten Taufen erlebt, die sie noch Jahrzehnte danach, prägen und schmerzen.
• Die Kulturen verwenden auch verschiedene Gewürze und Parfums, was für unterschiedliche Kranke im selben Zimmer unangenehm sein kann.
• Einsame Menschen, die nicht besucht werden, nehmen Anstoss, wenn andere Kranke von vielen Menschen umsorgt werden.
Nachhaltige Lösungsvorschläge:
• Beziehungen über die religiösen Grenzen hinweg, die schon vor Ort sind, nutzen:
Schon am Abend im "Zelt Abrahams" entdecken christliche Seelsorger/innen Vertreter/innen anderer Religionen als ärztliche, therapeutische und pflegerische Mitarbeiter/innen des Spitals und
knüpfen vor Ort Beziehungen: um muslimische Vereine und Moscheen und jüdische Besucher- und Sterbebegleitvereine über Bedürfnisse der Kranken und Sterbenden informieren zu können.
• Jüdische und muslimische Geistliche im Spital:
Die christlichen Spitalseelsorger/innen rufen Muslime und Juden auf, wenn möglich
jüdische und muslimische Kolleginnen als Ansprechpartner/innen vor Ort auszubilden und zu finanzieren.
• Manager für religiöse Fragen, Informationen und Beziehungen:
Eine spannende Idee kommt zudem auf:
Wie es Manager/innen zum Thema Wundversorgung gibt, die Informationen und konkrete Pflege garantieren, könnte es eine/n Religionsmanager/in geben, die die Bedürfnisse der Religionen kennt,
informieren kann und sofort Leidenden, Sterbenden und Toten die für sie richtigen Massnahmen ergreifen und Menschen aus der jeweils betroffenen Tradition aufbieten
kann.
• Raum der Stille
Ein Raum der Stille für alle Religionen würde das Bedürfnis, beten zu können, ohne den Spitalalltag von Kranken und
Pflegenden zu touchieren, befriedigen und zugleich mitmenschliche Ruhe und Beziehungen ermöglichen.
• Ganzheitliches Menschenbild
Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen unter Einbezug auch seiner Spiritualität wird
allmählich Bestandteil von Therapierenden, Pflegenden und auch der Wissenschaft.
• Gleichberechtigung
Eine konsequente Gleichberechtigung aller Religionen und aller Vertreter/innen der Religionen würde nicht nur Probleme lösen, sondern neue Beziehungen und neue Interessensgemeinschaft zwischen
den Religionen auftun und Themen der Mitmenschlichkeit mehr in den Spital bringen: z.B. kein Mensch darf alleine sterben, wie es die jüdische Chewra Kadischa vertritt und jedem Sterbenden hilft,
oder gemeinsam Beten und familiär einander körperlich und geistig nahe sein in Krankheit, wie es Musliminnen und Muslime für wichtig erachten und auch da sind, wenn Menschen krank sind, oder
jedes Weltbild gewichten und auch fremde Deutungen und Bedürfnisse begleiten und von Liebe sich motivieren lassen, wie es christliche Spitalseelsorger/innen am Alltag geistlich und mitmenschlich
umsetzen.
Zelt Abrahams